Allgemeines zum Schultyp Hauptschule

Die Hauptschule in NRW

Die Hauptschule ist neben der Realschule, dem Gymnasium und der Gesamtschule eine der allgemeinbildenden weiterführenden Schultypen der Sekundarstufe I und schließt unmittelbar an die fachliche und erzieherische Arbeit der Grundschule an. „Sie erfüllt einen zutiefst demokratischen Auftrag, weil ihr alle Kinder willkommen sind." (Schulministerin Behler, Hauptschulkongress 27.11.'97)

1. Die Ziele der Hauptschule, ihr Erziehungs- und Bildungsauftrag

„Hauptschulen haben sich zum 'Erfahrungsraum' gewandelt, in dem sich neben dem Unterricht und über ihn hinaus viele andere wichtige soziale Lernaufgaben arrangieren lassen." (Schulministerin Behler, a.a.O.)
Die Hauptschule folgt dem Auftrag, ihre Schüler zur Mündigkeit zu erziehen als der Befähigung zu einer selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Lebensgestaltung in einer demokratischen Gesellschaft. Sie verbindet zur Erreichung dieses Zieles personale und soziale Erziehung sowie fachliche Bildung. Als ein Beispiel dafür kann das jährlich in allen Düsseldorfer Hauptschulabschlussklassen durchgeführte Projekt „Schuldenprävention" angesehen werden.

2. Elementare Unterrichtsprinzipien

Lehren und Lernen in der Hauptschule richtet sich an folgenden vier Grundprinzipien aus:

Erfahrungsorientierung
Wissenschaftsorientierung
Handlungsorientierung
Gegenwarts- und Zukunftsorientierung

3. Inhaltliche Schwerpunkte

Die Vorbereitung auf die Berufsausbildung hat im Lehrplan und in den Richtlinien der Hauptschule seit jeher einen zentralen Stellenwert. Ein eigener Fachbereich „Arbeitslehre / Hinführung zur Wirtschafts- und Arbeitswelt" stellt über Betriebsbesichtigungen und Schülerpraktika vielfältige Kontakte zu unterschiedlichen Betrieben und Firmen her. (Betriebsbesichtigungen und Schülerpraktika werden in Düsseldorf im Rahmen des Düsseldorfer Modells koordiniert durchgeführt.) In diese Tradition, in die die Hauptschule einen umfangreichen Erfahrungshintergrund einbringen kann, gehört auch ein didaktisch ausgearbeitetes intensives Bewerbungstraining, welches von Mitarbeitern des Arbeitsamtes und auch von Vertretern anderer Behörden, Institutionen und Einrichtungen unterstützt wird.

4. Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung in der Sekundarstufe I dauert in der Regel sechs Jahre (Klasse 5 - 10). In Ausnahmefällen kann die Dauer um zwei Jahre überschritten werden. Die Fristen schließen die Verweildauer in der Erprobungsstufe (AO SI § 11 Abs. 3) ein.

5. Bildungsgänge

Aufnahmevoraussetzung für den Eintritt in die Hauptschule ist der erfolgreiche Abschluss des 4. Gundschuljahres. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 sind als Erprobungsstufe konzipiert. Von Stufe 5 nach 6 findet keine Versetzung statt. Ab Klasse 7 wird der Unterricht in den Fächern Mathematik und Englisch leistungsbezogen differenziert in Grund- und Erweiterungskursen erteilt. Ab der gleichen Jahrgangsstufe erhalten die Schüler auch Unterricht in den Teilfächern der Arbeitslehre (Technik, Wirtschaftslehre und Hauswirtschaft) sowie interessenbezogenen Wahlpflichtunterricht. Ab Klasse 7 werden erstmals klassengebundene Betriebserkundungen durchgeführt.
Der Fachbereich Arbeitslehre wird dann in den Klassenstufen 9 und 10 zum bestimmenden Orientierungspunkt. In Klasse 9 absolviert jeder Schüler ein dreiwöchiges Betriebspraktikum und der integrierende Stundenanteil in Arbeitslehre wird erhöht. Mit dem erreichten Klassenziel der Klasse 9 erteilt die Hauptschule den Hauptschulabschluss.
In Klasse 10 bietet die Hauptschule zwei verschiedene Bildungsgänge an, denen auch zwei unterschiedliche Abschlüsse entsprechen.
Der Klassentyp 10 A basiert weiter auf den Schwerpunkten Arbeitslehre und Naturwissenschaften. Er bereitet u.a. über ein Berufsfindungspraktikum die Absolventen auf die anschließende Berufsausbildung vor.
Der Besuch des Klassentyps 10 B erfordert den qualifizierten Hauptschulabschluss. Er schließt mit der Fachoberschulreife ab und vermittelt den Schülern daher erstrangig das notwendige Wissen und die erforderlichen Fertigkeiten für eine weiterführende Schullaufbahn in den verschiedenen Schultypen der Sekundarstufe II (s. Punkt 7).

6. Abschlüsse
Die Hauptschule erteilt alle Abschlüsse und Berechtigungen der Sekundarstufe I. Eine weiterführende Schulausbildung ist bei entsprechender Qualifikation möglich. Mit dem Abschluss der Klasse 10 Typ B vermittelt die Hauptschule einen mittleren Bildungsabschluss, der den Übergang zu Höheren Berufsfachschulen oder der Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe gestattet.
Die Abschlüsse gliedern sich wie folgt:

nach Klasse 9
Hauptschulabschluss nach Klasse 9
berechtigt zum Besuch der Klasse 10 Typ A der Hauptschule (bei Erfüllung der Vollzeitschulpflicht auch zum Besuch eines Berufskollegs oder zur Aufnahme einer Berufsausbildung)
Hauptschulabschluss nach Klasse 9 mit Qualifikation zum Besuch der Klasse 10 Typ B

nach Klasse 10 Typ A
Sekundarabschluss I - Hauptschulabschluss nach Klasse 10
berechtigt zum Eintritt in ein Berufsausbildungsverhältnis oder zum Besuch einer Fachschule

nach Klasse 10 Typ B
Sekundarabschluss I - Fachoberschulreife
berechtigt zum Besuch der Fachoberschule, der Höheren Berufsfachschule, der Kollegschule oder zum Eintritt in ein Berufsausbildungsverhältnis
Sekundarabschluss I - Fachoberschulreife mit Qualifikation
berechtigt zusätzlich zum Besuch der gymnasialen Oberstufe